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20 | Juli | 2014

Urban Exploration/ Lost Places

Autor: uliphoto.de

Urbexing

Von aufgegebenen, zerfallenden Gebäuden geht für mich schon immer eine Faszination aus. Die Zeit schafft morbide Strukturen, die mich irgendwie ansprechen. Dank dem Internet (wie konnte ich früher eigentlich nur ohne leben...) weiß ich mittlerweile, dass man das Urban Exploration, kurz Urbex nennt. Wikipedia sagt dazu: „Urban Exploration bzw. Urbex oder Stadterkundung ist die private Erforschung von Einrichtungen des städtischen Raums und sogenannter Lost Places. Oftmals handelt es sich dabei um das Erkunden alter Industrieruinen, aber auch Kanalisationen, Katakomben, Dächern oder unzugänglichen Räumlichkeiten ungenutzter Einrichtungen. Der Begriff wird jedoch durchaus auch für die Erkundung zugänglicher Orte wie Parks verwendet. Für die meisten Urban Explorer, die man auch kurz Urbexer nennt, liegt die Motivation neben der Entdeckung und Dokumentation der Objekte, in der Ästhetik und Romantik, die jene Orte mit sich bringen sowie im Erlebnis einer authentisch-historischen Atmosphäre. Zudem wird die eintretende Verwilderung und der Verfall nach dem Verlassen ehemals genutzter Anlagen und strukturierter Betriebe sowie der Kontrast zu moderner städtebaulicher Investition und Ordnung als entspannende und befreiende Zivilisationsflucht beschrieben.[1]

In schon länger stillgelegten Betrieben zeigen sich oft zahlreiche Graffiti oder bizarre Bilder, zum Beispiel von aus den Wänden wachsenden Bäumen. Der Großteil der Urban Explorer hält diese Eindrücke auf Fotos fest. Hierbei entstehen häufig zum Teil sehr surreale Arbeiten. Der Schwerpunkt kann bei Urban Exploration individuell neben der Erkundung selbst auf künstlerischer und dokumentarischer Fotografie liegen, historischen Recherchen, dem Anlegen von Online-Dokumentationen zu Anlagen, die vom Verschwinden oder völligen Verfall bedroht sind, oder auch auf der sportlichen Herausforderung bei der Überwindung von Hindernissen und dem Eindringen in schwer zugängliche, aktive Anlagen. Ein wesentliches Moment ist die Erforschung der letzten weißen Flecken, „die nicht als Spektakel entworfen wurden“, wie Guy Debord es ausdrückt. Der Londoner Geograf und Urban Explorer Bradley L. Garrett hat die These aufgestellt, dass Urban Exploration eine Reaktion auf die zunehmende Überwachung und Kontrolle des öffentlichen Raumes sei.“

Das war jetzt ganz schön viel Text von Wikipedia, beschreibt es aber ganz gut. Daher weiß ich jetzt auch, dass meine Freizeitbeschäftigung Urbex heißt, im Trend liegt und es eine relativ große Szene diesbezüglich gibt. Als daher ein Freund via Facebook fragte, was man denn so am Samstag unternehmen könnte, hatte ich eine Idee. Ich hatte bereits mehrere Locations per Satellitenbild ausgekundschaftet, also Equipment gepackt und los. Auf dem Plan standen: Ein ziemlich zerstörtes ehemaliges Clubhotel, ein ehemaliges Hotel und ein abgebranntes Naturfreundehaus aus den 20´ern. Das der Wetterbericht 35°C und Sonne ankündigte war uns egal. Fotografen sind harte Hunde und haben den Kofferraum voller Wasserflaschen.

Objektiv/Kamera: SIGMA EX 15 mm, 2,8 DG Diagonal-Fisheye

Objektiv/Kamera: SIGMA EX 15 mm, 2,8 DG Diagonal-Fisheye

Location 1 liegt im Wald versteckt. Wir kommen von Süden, quer durch den Wald und stoßen als erstes auf die Überreste eines Spielplatzes, den sich die Natur wieder zurückerobert hat. Ich will jetzt nicht wieder mit Klischees kommen wie „Gruselfilm“, „Endzeit“ und so weiter, aber die Stimmung ist eigen. Wir reden wenig, machen uns ans Erkunden. Natürlich kommen Gedanken in den Sinn, wie sah es hier früher aus, welche Leute waren da, was ist hier wohl alles geschehen...

Objektiv/Kamera: SIGMA EX 15 mm, 2,8 DG Diagonal-Fisheye

Wir finden noch gut erhaltene Hütten im Wald mit Graffiti versehen, aber relativ unzerstört. Alles ist sehr zu gewuchert, die Pfade sind schmal und voller Dornen und Brennnesseln. Notiz an mich: kurze Hosen waren keine gute Idee. Aus dem Gestrüpp heraus stehen wir vor der ersten Ruine. Das Gebäude ist ziemlich am Ende. Dach? Weg. 1. Stock- komplett zerstört. Das Erdgeschoss steht dank solider Stahlbetonbauweise noch. Sieht solide aus also: rein. Hier wurde ziemlich gewütet Grafitstift, Brandspuren, überall sind Löcher in den Wänden, der Boden ist mit Scherben und Müll übersät. Feste Schuhe sind hier unabdingbar. Offensichtlich scheinen hier Softairspieler am Werk zu sein, überall finden wir kleine Kügelchen. Die Erkundung nimmt gut 2 Stunden in Anspruch, viel zu sehen und viel zu fotografieren.

Objektiv/Kamera: SIGMA EX 15 mm, 2,8 DG Diagonal-Fisheye

Location 2 ist ein ehemaliges Hotel. Wir finden schnell einen offenen Zugang, Türen oder Fenster aufbrechen ist nicht so unsers... Kaum haben wir das Equipment ausgepackt hören wir Stimmen, wir begegnen 3 anderen Urbexern. Gemeinsam machen wir uns auf die Erkundung. Auch hier viele Spuren von Vandalismus. Glücklicherweise hat noch keiner gezündelt. Keller und Erdgeschoss sind eher unspektakulär. Der erste Stock ist heller und die Zimmer sind mit, sagen wir mal, interessanten Graffiti geschmückt. Ich entdecke einen Durchgang zum Dachstuhl des Nebengebäudes. Der Boden gibt verdächtig nach. Ich überlege, eine Seilsicherung über einen Dachbalken zu legen, entscheide mich dann aber dafür, auf einem der Bodenbalken langzulaufen. Durch die Decke zu brechen hätte mir noch gefehlt. Trotzdem ungutes Gefühl. 2-3 Fotos und raus hier. Der Weg zum Dachboden sieht solider aus. Der Holztreppe fehlt zwar das Geländer, aber irgendwas ist ja immer... Schöne Lichtstimmung auf dem Dachboden. Muss ich mir merken. Wir untersuchen noch die Nebengebäude, aber die sind unspektakulär.

Auf zu Location 3. Diese liegt sehr versteckt im Wald. 20´er Jahre Bruchsteinmauerwerk, ein Turm. Es muss mal wunderschön hier gewesen sein. Leider haben irgendwelche **************** gezündelt. Jetzt ist das Gebäude an einigen Stellen einsturzgefährdet. Der Turm reizt mich. Bruchsteinmauerwerk, runde Struktur, Fußspuren auf dem Boden, es sollte gehen. Trotzdem, das ist die Location mit dem größten „Herzklopf-Faktor“. An einem Seitendurchgang zum Nebengebäude ist der Boden komplett eingebrochen, die Wände hängen schräg, no way. Also weiter in den unteren Teil des Gebäudes, auch hier schwere Schäden, aber noch halten die Stahlbetondecken. Wurzeln hängen herab, wo Licht durchkommt wächst Farn. Die Küche ist halb eingestürzt, schwere Balken hängen herab. Ich bleibe im Türdurchgang stehen, zu viel Risiko. Danach gehen wir das Umfeld erkunden ein alter, zu gewucherter Pool, einige verfallene Holzhäuser und überall Wald und wilde Felsformationen. Auch diese Location schreit nach mehr, ich hab da schon ne Shooting Idee... Aber das wird eine andere Geschichte...